Samstag, Juni 06, 2020
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Immer wieder im Herbst geht mir diese Gedicht von Rainer Maria Rilke durch den Kopf.

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross. 
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; 
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage, 
dränge sie zur Vollendung hin und jage 
die letzte Süsse in den schweren Wein.

 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.